Linkaufbau im KI-Zeitalter: Warum ich heute auf die KI-Sichtbarkeit einer Website schaue – nicht nur auf das Domain Rating
In über einem Jahrzehnt Arbeit an organischer Sichtbarkeit habe ich eines gelernt: Die Kriterien, nach denen wir Websites für Erwähnungen auswählen, sind niemals in Stein gemeißelt. Sie verändern sich mit den Algorithmen. Bis vor Kurzem habe ich bei der Wahl eines Veröffentlichungsorts vor allem auf drei Dinge geachtet: Domain Rating, organischen Traffic in Ahrefs und das Verhältnis von aus- zu eingehenden Links. Heute kommt ein viertes – und immer häufiger wichtigstes – Kriterium hinzu: Wie stark ist die Website in KI-Modellen sichtbar?
Die alten Kriterien sind nicht verschwunden – aber sie reichen nicht mehr
Das klassische Kennzahlen-Set entstand in einer Welt, in der der einzige „Empfänger" unserer Erwähnung der Algorithmus von Google war. Ein hohes Domain Rating deutete auf ein starkes Linkprofil hin. Organischer Traffic bewies, dass eine Seite wirklich lebt. Ein gesundes In/Out-Link-Verhältnis schützte davor, in einer Linkfarm zu veröffentlichen. Für klassisches SEO war und ist das ein sinnvoller Ansatz.
Das Problem: Es gibt einen neuen Empfänger unserer Inhalte – generative Engines. ChatGPT, Perplexity, Google AI Overviews oder Gemini lesen das Web nicht so wie der Google-Crawler. Und vor allem: Sie zitieren nicht dieselben Quellen, die in den Top 10 ranken.
Das Ausmaß dieser Diskrepanz ist größer, als die meisten annehmen. Eine Analyse von Moz zeigte, dass rund 88 % der Zitate im Google AI Mode von außerhalb der organischen Top 10 stammen. Bei ChatGPT wird die Überschneidung mit den Spitzenplätzen von Google teils im einstelligen Prozentbereich beziffert. Mit anderen Worten: Dass eine Website im klassischen SEO hervorragend rankt, sagt kaum noch etwas darüber aus, ob KI-Modelle den dort veröffentlichten Inhalt aufgreifen.
Was die Daten wirklich über Domain Rating und KI-Zitate sagen
Hier muss ich ehrlich sein, denn die Datenlage ist differenziert und fügt sich nicht zu einer einfachen Schlagzeile.
Auf der einen Seite gibt es Studien, die die Domain-Autorität als Prädiktor für KI-Sichtbarkeit fast schon beerdigen. Von Clairon und Wellows zitierte Analysen verweisen auf eine Korrelation zwischen Domain Authority und Zitationswahrscheinlichkeit von r ≈ 0,18 – DA erklärt also nur wenige Prozent davon, ob eine KI Ihren Inhalt nutzt. Ein noch deutlicheres Signal liefert eine Ahrefs-Analyse von 75.000 Marken: Marken-Erwähnungen im Web korrelieren mit KI-Zitaten bei etwa 0,664 – rund dreimal stärker als Backlinks (ca. 0,218). Das ist ein grundlegender Logikwechsel.
Auf der anderen Seite – und das verschweige ich nicht – gibt es Studien, die zeigen, dass Autorität keineswegs tot ist. SE Ranking analysierte 129.000 Domains und identifizierte das Linkprofil (Zahl der verweisenden Domains) als einen der stärksten Prädiktoren für ChatGPT-Zitate. Eine Auswertung von 1.000 Google-AI-Overviews-Antworten ergab eine positive Korrelation der Domain Authority mit Zitaten von +0,61 – denn AI Overviews speisen sich aus dem Google-Index und gewichten Autorität weiterhin stark. Seer Interactive maß die Korrelation zwischen organischen Rankings und LLM-Erwähnungen mit 0,65 – positiv, aber weit von einer perfekten Korrelation entfernt.
Wie passt das zusammen? Mein praktisches Fazit lautet: Das Domain Rating ist nicht nutzlos, aber es ist keine hinreichende Bedingung mehr. Autorität hilft, besonders in Index-basierten Umgebungen. Doch KI-Sichtbarkeit ist zu einer eigenen Achse geworden, die das alte Kennzahlen-Set schlicht nicht misst. Und genau diese Achse entscheidet, ob unsere Erwähnung in der Welt generativer Antworten Wirkung entfaltet.
Zwei Gründe, warum ich heute auf die KI-Sichtbarkeit einer Website schaue
Wenn ich eine Website für eine Veröffentlichung bewerte, frage ich direkt: Ist diese Website – und wie stark – bereits in den Antworten von KI-Modellen präsent? Ich prüfe das mit Tools, die heute KI-Sichtbarkeit messen (u. a. Ahrefs Brand Radar, Semrush und spezialisierte Plattformen). Aus zwei konkreten Gründen.
Erstens – der Effekt des „geliehenen Vertrauens". Behandelt ein KI-Modell eine Website in einem Themenfeld bereits als glaubwürdige Quelle, steigt die Chance erheblich, dass auch der dort veröffentlichte Inhalt als Quellenmaterial herangezogen wird. Wir gelangen in den Pool, aus dem das Modell ohnehin gern schöpft.
Zweitens – die Erwähnung selbst kann in den Zitaten erscheinen. Ein gut aufbereiteter Artikel auf einer in der KI präsenten Website hat eine reale Chance, direkt als zitierte Quelle in den Antworten aufzutauchen. Das ist nicht mehr nur ein Signal an den Algorithmus – es ist direkte Markensichtbarkeit in dem Moment, in dem der Nutzer eine Entscheidung trifft.
Was uns unsere eigenen Analysen gelehrt haben
In unseren Analysen habe ich wiederholt ein Phänomen beobachtet, das der klassischen SEO-Intuition widerspricht: KI-Modelle greifen immer wieder auf Websites mit vergleichsweise geringer organischer Sichtbarkeit zurück – sofern deren Inhalte entsprechend aufbereitet sind. Niedriges Domain Rating, moderater Traffic – und dennoch regelmäßige Zitate.
Das deckt sich mit der breiteren Datenlage. Averi stellt in seinen Zitations-Benchmarks fest, dass Seiten mit niedrigem DR und eigener Originalforschung oft eine höhere Zitationsrate erzielen als starke Domains mit „dünnen" Inhalten. Eine plattformübergreifende Analyse von Vertrauenssignalen (Neil Patel) zeigte, dass Erwähnungen in externen, glaubwürdigen Publikationen die höchsten Bewertungen aller untersuchten Signale erhalten – höher als Backlinks, deren Gewicht zwischen den Plattformen dramatisch schwankt.
Was entscheidet darüber, ob ein Inhalt zitiert wird? Die grundlegende akademische Arbeit zu GEO (Aggarwal et al.; Princeton, Georgia Tech, Allen Institute, IIT Delhi) zeigte, dass das Hinzufügen konkreter Statistiken, Zitate und Quellenverweise die Sichtbarkeit in generativen Antworten um bis zu rund 40 % steigern kann. Hinzu kommen: Aktualität (laut AirOps-Untersuchungen entfällt die deutliche Mehrheit der ChatGPT-Zitate auf Inhalte, die in den letzten ~10 Monaten aktualisiert wurden), klar erkennbare Experten-Autorschaft und – wichtig – das Fehlen eines aufdringlich werblichen Tons. Inhalte, die wie Werbung klingen, werden seltener zitiert.
Wie man in der Praxis die richtigen Websites findet
Die operative Schlussfolgerung ist einfach: Prüfen Sie vor jeder Investition in eine Veröffentlichung die KI-Sichtbarkeit der Zielseite – nicht nur deren DR und Traffic. Doch hier stellt sich die praktische Frage: Womit beginnt man die Kandidatenliste?
Der schnellste Weg ist, das Problem umzudrehen: Statt zu raten, prüfen Sie, welche Websites in Ihrer Branche bereits am häufigsten von KI-Modellen zitiert werden. Das ist eine fertige, maßgeschneiderte Liste von Orten, an denen sich die Suche nach Veröffentlichungsmöglichkeiten lohnt. Genau das zeigen wir im einmaligen KI-Sichtbarkeitsreport auf aisearchinsight.io – der Report weist aus, welche Quellen KI-Modelle in Ihrer Kategorie am häufigsten heranziehen. Für die Linkaufbau-Planung ist das schlicht eine Landkarte des Geländes.
Die Umsetzung gehört in erfahrene Hände
Zum Schluss ein wichtiger Hinweis, denn mir liegt an Klarheit: Wir sind keine Agentur und führen keine SEO- oder GEO-Maßnahmen durch. Unsere Rolle ist es, Ihnen ein belastbares Bild davon zu geben, wie Ihre Marke in der KI-Sichtbarkeit abschneidet und wo Chancen liegen. Die Kampagne selbst – Veröffentlichungen gewinnen, Digital PR, das Erstellen KI-zitierbarer Inhalte – überlässt man am besten Menschen, die das täglich tun. Deshalb arbeiten wir mit geprüften Partnern zusammen, die diese Maßnahmen umsetzen können. Die Liste finden Sie hier: aisearchinsight.io/de/partner.
Ein Wandel, der bereits vollzogen ist
In über einem Jahrzehnt in dieser Branche habe ich gelernt, dass Kennzahlen, die gestern als unantastbar galten, morgen nur noch eines von vielen Signalen sind. Domain Rating, Traffic und Link-Verhältnis haben weiterhin Bedeutung – aber sie erzählen nicht mehr die ganze Geschichte. Heute frage ich bei der Wahl einer Website für eine Erwähnung zuerst: Vertrauen ihr die KI-Modelle bereits?
Und wie bewerten Sie heute Websites für den Linkaufbau – noch nach alter Schule oder schon unter Einbezug ihrer KI-Sichtbarkeit?